Sind die denn alle depressiv?

Punk steht für Rebellion, Industrial für Aggression und Gothic für Depression. Oder? Jedenfalls wird die Kultur und die dazugehörige Musik mit Traurigkeit oder einem negativen Weltbild assoziiert.

Traurigkeit und Schmerz gehören dazu

Dass unter ihnen mehr von Depressionen Betroffene zu finden sind, als im gesellschaftlichen Durchschnitt, würden Gothics selbst wahrscheinlich bezweifeln. Dass ein großer Teil der Anziehung der Kultur darin besteht, Traurigkeit, Schmerz und Einsamkeit zu thematisieren, aber nicht.

Und überhaupt, als “depressiv” gilt man umgangssprachlich ja schnell mal, wirklich von der Krankheit betroffen sind nur wenige von denen, die so wegen eines bestimmten Lebensstils bezeichnet werden.

Die Freiheit des Anders-Seins

Dass aber besonders Jugendliche ihre Andersartigkeit und ihr mangelndes Zugehörigkeitsgefühl zum Mainstream ausdrücken wollen, ist vielmehr “normal”. Und die Gothik-Kultur bietet dafür sogar eine besondere Freiheit, auch negative Gefühle auszudrücken und in Traurigkeit zu “schwelgen”. Das mag für manche das richtige Lebensgefühl sein, andere finden sich eher in der Hip-Hop-Kultur wieder, andere gesellen sich zu einer Künstlertruppe und wieder andere wollen gar nicht mit irgendeiner Art von Gruppierung assoziiert werden.

Gemeinsam einsam

Das ist aber vielleicht ein Merkmal, das Gothics eint: Das Bedürfnis, mit anderen ihre Gefühle zu teilen, aber gleichzeitig ihre Individualität zu betonen. Und selbst wenn traurige oder gar depressive Stimmungen z.B. bei Konzerten exzessiv ausgelebt werden, bietet das vielen eine große Geborgenheit, weil solche Gefühle akzeptiert werden.

Depressionen

Sarah Behn / pixelio.de

Tim Burton und der Tod

Dunkle, melancholische Außenseiter, die sich durch eine ihnen fremde Welt bewegen – ein typisches Szenarium in Tim Burtons Filmen. Kein Wunder also, dass die Werke des Amerikaners in der Gothik-Szene großen Anklang finden. Denn kaum ein Filmschaffender sonst schafft es, die Welt zwischen Leben und Tod so schön morbide darzustellen.

Ein Freak mit Scherenhänden

Schon in einem seiner ersten Kinofilme, der ein großes Publikum fand, taumelt der Kunstmensch Edward durch eine spießig-schrille amerikanische Vorstadtwelt und versucht in dieser heimisch zu werden. Zwar findet er dank seiner Scherenhände zunächst Anerkennung für seine Fähigkeiten als Gärtner und Friseur. Seine Andersartigkeit provoziert aber auch stets Misstrauen, das schließlich in Hass und Angst umschlägt.

Und genau das sind Erfahrungen, die fast jeder Teenager schon einmal gemacht hat. Der Versuch sich anzupassen und das Ringen um Anerkennung scheitert und wird mit Demütigung und Ausgrenzung bestraft.

Ein Goth bekennt sich zu seiner Außenseiterrolle ganz demonstrativ und grenzt sich damit von einer Umwelt ab, deren Werte er möglicherweise nicht vorbehaltlos teilt. Und schafft sich eine eigene Welt – die nicht selten wesentlich von der Ästhetik der Burton-Filme beeinflusst ist.

Flucht in die Filmwelt

Der Filmemacher war war ein einsamer Teenager, der sich in der realen Welt nicht ganz wohl fühlte – und deshalb in die des Film flüchtete. Schon als Dreizehnjähriger drehte er seinen ersten Film, The Island of Doctor Agor. Es folgten viele Trick- und Kurzfilme bis Burton 1985 seinen ersten Spielfilm drehte mit dem Titel Pee Wee’s Big Adventure.

Der Durchbruch gelang ihm drei Jahre später mit dem Wert Beetlejuice. In der Horror-Komödie kommt ein junges Ehepaar bei einem Autounfall ums Leben und fristet fortan sein Leben als Geisterpaar, das 125 an sein Haus gebunden ist. Als ein Familie in dieses Haus einzieht, beginnt ein Kampf zwischen Geistern und Menschen um die Hoheitsrechte.

Inspiration aus der Gothikszene

Die Geschichte ist typisch für den Burton: Sein Markenzeichen sind schräge Charaktere, die sich durch morbide und gleichzeitig komische Geschichten hangeln. Besonders gerne zitiert Der Filmemacher aus der Gothik- und Undergroundszene und tut das mit so viel Eleganz und Humor, das diese sich nur geschmeichelt und vielleicht auch verstanden fühlen kann.

Häufigstes Motiv des schrillen Genies ist des Todes bzw. die eine Welt zwischen Leben und Tod. So geschen bei Beetlejuice und auch bei Sleepy Hollow. Dessen Handlung wird durch mehrere mysteriöse Mordfälle bestimmt, die von einem bereits Verstorbenen ausgeführt werden. Bei Corpsbride geht es um die die Konfrontation der Welt eines Lebenden mit der eines Untoten. In Nightmare Before Christmas ist die sogar die charmante Hauptfigur der Tod selbst. Gemeinsam ist den Filmen nicht nur das Sujet, sondern auch der völlig unprätentiöse Umgang damit. Der Tod kann sogar freundlich oder komisch sein.

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