Manson malt

Der Mann mit den unnatürlich hellen Augen und dem blutrot geschminkten Mund ist besonders in Amerika der Inbegriff des Anders-Seins. Wobei das eine sehr harmlose Beschreibung ist: Nicht selten wurde Marilyn Manson auch als Antichrist, Höllenfürst und sogar als Inspiration für Amokläufer bezeichnet.

Der Höllenfürst als Maler

Aber eigentlich ist er ein ziemlich typischer Repräsentant einer ganzen Bewegung – früher einmal als Gruftis bezeichnet –, der zwar durch Auftreten und Musik schockiert, aber eigentlich ein sehr sanfter und kultivierter Zeitgenosse ist. Inzwischen hat der Skandalrocker die darstellende Kunst als sein Medium entdeckt. Manson malt jetzt.

Eigentlich tut er das schon seit vielen Jahren, aber erst jetzt zeigt er seine Werke auch er Öffentlichkeit. Die Ausstellung “Genealogies of Pain” in der Wiener Kunsthallte zeigt nun die Bilder von Marilyn Manson, der als Frontman der gleichnamigen Musikgruppe bekannt geworden ist.

Morbide Ästhetik

Schon bei seinen Auftritten als Musiker war das Äußerlich extrem wichtig: Markenzeichen von Brian Hugh Warner, so sein bürgerlicher Name, ist ein zentimeterdick weiß geschminktes Gesicht, üppig blutrot geschminkte Lippen und verschieden farbige Kontaktlinsen. Schwarz gefärbte Haare und ein inzwischen eher dandyhaftes Outfit machen seine Erscheinung zur perfekten Horrorgestalt. So wurde er zur Reizfigur für die konservativen Rechten Amerikas und zur Identifikationsfigur Millionen Jugendlicher, die sich von der Spaß-, Konsum- und Fitnessgesellschaft abgrenzen wollten.

Albträume in Aquarell

Wirklich Überraschendes bieten seine Werke allerdings nicht. Die Aquarellbilder zeigen Zwitterwesen mit hängenden Brüsten, Frauen mit aufgeschlitzten Unterleibern und viel Blut und Schminke. Trotzdem ist die mediale Aufregung natürlich groß, denn immer noch ist der weiß geschminkte Mann irgendwie seltsam und interessant.

Auffällig an seinen Werken ist die Diskrepanz von brutalen Inhalten und sanfter, fast schon esoterisch anmutender Malweise: «Ich versuche so zu malen, wie ich träume, deshalb benutze ich Aquarellfarben», erklärt der sehr zurückhaltend auftretende Manson zu Beginn der Ausstellung.

Die Faszination des Bösen

Inzwischen ist ihm die Malerei sogar wichtiger als die Musik, erklärt der Künstler. Beide Rollen wolle er aber deutlich voneinander trennen – denn er möchte in beiden Metiers Anerkennung finden.

Kunsthallen- Direktor Gerald Matt zollt ihm die: «Manson ist jemand, der so etwas wie ein menschliches Grundthema mit seinen Arbeiten anspricht.» Er macht in den Werken die Faszination des Bösen aus, das Zwielicht zwischen Moral und Verbrechen, Zerstörung und Ästhetik.

Wer sich selbst ein Urteil über die Manson-Bilder machen will, kann das noch bis zum 25. Juli in der Wiener Kunsthalle tun.

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