Hast Du’s mit Satan oder was?

Dunkle, lange Haare, wallende, schwarze Kleidung, schwarz umrandete Augen und viel Silberschmuck – ein Goth, obwohl selbst im hinterletzten Winkel keine unbekannte Erscheinung mehr, zieht die Aufmerksamkeit auf sich. Natürlich wegen seines dramatischen Auftritts, aber auch, weil immer noch viele Menschen glauben, dass die dunkel gekleideten Gestalten sich dem Satanismus zugehörig fühlen. Wie hält ein Goth es eigentlich mit der Religion?

Eine vielfältige Szene

Die Anhänger der Gothik-Kultur als eine Gruppierung aufzufassen, würde den Mitgliedern selbst gar nicht gefallen. Denn zu vielfältig sind die Orientierungen und Vorlieben, zu unterschiedlich die Splittergrupen.

Die Anhänger der Gothik-Kultur als eine Gruppierung aufzufassen, würde den Mitgliedern selbst gar nicht gefallen. Denn zu vielfältig sind die Orientierungen und Vorlieben, zu unterschiedlich die Splittergrupen.

Man darf aber behaupten, dass sich die Gothik-Kultur Anfang der 1980er Jahre aus dem Punk- und New-Wave-Umfeld herausbildete. Die gemeinsame Basis für die Entwicklung der Szene ist das Zusammenwirken von Musik, dem Interesse an Themen wie Tod und Vergänglichkeit und einer daraus entstandenen Selbstinszenierung. Es gibt eine eigenes Film- und Literaturgenre (“Gothik Fiction”), die das Erscheinungsbild seiner Anhänger maßgeblich prägten.

Gothik Frau

mainfranken onTour / pixelio.de

Gothics: Nur wenige sind religiös

Zum Bereich des Okkultismus fühlen sich aber nur wenige der früher als Gruftis bezeichneten Menschen zugehörig. Durch ihr Erscheinungsbild aber – die die schwarze Kleidung und z.T. auch religiöse Symbole – werden sie von der Umweltwelt oft mit Satanisten verwechselt. Eine Einschätzung, die ein Goth nur mit verachtungvollen Blicken straft. Die meisten der dunklen Gestalten distanzieren sich vielmehr deutlich vom Satanismus und streben nach einem völlig anderen Lebensgefühl.
Soziologen attestieren der Gruppe eine sehr ästhetisch orientierte, eher introvertierte und ausgesprochen friedliche Mentalität, deren Mitglieder überwiegend aus der Mittelschicht stammen und in der Regel gut ausgebildet sind.

Ausbruch aus steifen Rollenvorgaben

Religiöse Themen werden zwar durchaus thematisiert, allerdings keineswegs einheitlich beantwortet. Einig ist man sich jedoch großenteils in der Ablehnung der Kirchen. Nur eine kleine Gruppe ist christlich und gruppiert sich vor allem um die Jesus-Freaks herum. Ihre kritische Haltung drücken viele auch mit Hilfe christlicher Symbole aus. Insgesamt ist aber die anti-religiöse Tendenz keineswegs das hauptsächlich einende Merkmal. Die Hinwendung zum Dunklen hat ganz verschiedene Gründe: So etwa die Ablehnung einer oberflächlichen und sinnentleerten Spaßgesellschaft, Abgrenzung zur Leistungs- und Konsumgesellschaft oder ein Ausbruch aus sozialen Rollenvorgaben. Auch ein depressives Lebensgefühl und der Eindruck, unverstanden zu sei teilen viele Mitglieder.

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